Wie Landwirtschaft und Klima zusammenhängen.
Auf dem Hof entstehen Treibhausgase vor allem aus natürlichen Prozessen: im Pansen der Kühe, im Güllelager und im Boden. Hier finden Sie die wichtigsten Zahlen, die drei Klimagase im Vergleich und unsere Grafiken zu den Stoffkreisläufen. Jede Grafik gibt es auch als PDF zum Ausdrucken.
Die wichtigsten Zahlen
So viel Treibhausgas kommt aus der deutschen Landwirtschaft, und daraus besteht es. Alle Werte in CO2-Äquivalenten (CO2e).
Quellen: Umweltbundesamt, Schätzung für 2025 (Stand 02.07.2026) und Landnutzung 2024; Thünen-Institut, Bodenzustandserhebung. Mit den Emissionen aus Maschinen und Wärme sind es 60,8 Mio. t oder 9,3 %.
Drei Gase im Vergleich
In einer Klimabilanz werden alle Gase auf CO2 umgerechnet. Der Umrechnungsfaktor heißt Treibhauspotenzial (GWP). Er sagt, wie stark 1 kg eines Gases über 100 Jahre wärmt, verglichen mit 1 kg CO2.
| Kohlendioxid CO2 | Methan CH4 | Lachgas N2O | |
|---|---|---|---|
| Klimawirkung je kg | 1 | 28 | 265 |
| Bleibt in der Luft | Jahrhunderte, ein Teil viel länger | rund 12 Jahre, dann zerfällt es zu CO2 | rund 110 Jahre |
| Entsteht auf dem Hof | Diesel, Heizöl, Kalk, Harnstoff, Humusabbau, entwässerte Moore | Verdauung der Wiederkäuer, Gülle- und Mistlager, Gärrestlager | Stickstoff im Boden: Mineraldünger, Gülle, Gärrest, Weide |
| Anteil Landwirtschaft 2025 | 4 % (ohne Maschinen und Wärme) | 62 % | 32 % |
Faktoren nach dem 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC), mit denen das deutsche Treibhausgasinventar und der Berechnungsstandard BEK rechnen, also auch unsere Klimabilanzen. Der neuere 6. Bericht nennt für Methan 27 bis 30 und für Lachgas 273.
0,62 kg N2O-N × 44/28 = 0,97 kg N2O × 265 ≈ 258 kg CO2e je Hektar
Das ist so viel wie aus rund 75 Litern Diesel (3,42 kg CO2e je Liter nach BEK). Der tatsächliche Wert schwankt mit Boden, Wetter und Düngung.

Wo entstehen die Emissionen auf dem Hof?
Die Grafik folgt dem Weg durch einen typischen Betrieb, vom Stall über das Güllelager und die Biogasanlage bis auf den Acker. Die Breite der Pfeile zeigt, wie viel Treibhausgas an jeder Stelle in ganz Deutschland entsteht. Unten steht die Vorkette: Emissionen aus Futter, Dünger und Strom, die zwar woanders entstehen, in Ihrer Betriebsbilanz aber mitzählen.
Die Zahlen 2025 im Überblick
- Methan ist das Hauptgas, drei Viertel davon aus der Verdauung von Rindern.
- Tierhaltung: 34,6 Mio. t, also 65 % der Landwirtschaft.
- 76 % des deutschen Methans und Lachgases kommen aus der Landwirtschaft.
- Moorböden sind der größte Posten, zählen aber zum Sektor Landnutzung.
Was davon zählt in Ihrer Bilanz?
- Scope 1: alles im grünen Band, also Tiere, Lager, Boden, Kalk und der eigene Diesel.
- Scope 2: zugekaufter Strom und zugekaufte Wärme.
- Scope 3: die Vorkette, vor allem Zukauffutter und Mineraldünger.
- Am Ende steht der Fußabdruck je Produkt, z. B. kg CO2e je kg Milch.
Die größten Hebel
- Fütterung und Tiergesundheit: mehr Leistung pro Tier senkt Methan je kg Milch.
- Stickstoff effizient einsetzen: bedarfsgerecht düngen, Gülle bodennah ausbringen. Weniger N-Überschuss heißt weniger Lachgas.
- Gülle vergären und Gärrestlager gasdicht abdecken.
- Moorböden: Wasserstand anheben stoppt den Torfabbau.

Der Stickstoffkreislauf
Stickstoff ist der wichtigste Nährstoff und zugleich die Quelle für Lachgas. Die Grafik zeigt, wie Stickstoff aus der Luft über Dünger oder Leguminosen in den Boden, in die Pflanze und über Tiere und Gärrest wieder zurück gelangt. Die gestrichelten Pfeile sind Verluste: Ammoniak, Nitrat und Lachgas.
C/N-Verhältnis und N-Sperre
- C/N = Teile Kohlenstoff pro 1 Teil Stickstoff im Material.
- Zersetzer fressen den C als Energie und brauchen N für ihren Körper.
- C/N niedrig: N-Überschuss, der Rest wird als NH4+ frei und düngt.
- C/N hoch: N-Mangel, die Mikroben holen sich NH4+/NO3− aus dem Boden. Das fehlt den Pflanzen: N-Sperre.
- Nur vorübergehend: Sterben die Mikroben, wird der N frei. Bei Stroh etwas N nachdüngen.
Wo Stickstoff verloren geht
- NH3 in die Luft: Bei hohem pH (Gülle, Gärrest, Harnstoff) wird Ammonium zu Ammoniak-Gas: NH4+ + OH− → NH3 + H2O. Deshalb bodennah ausbringen und einarbeiten.
- Nitrat ins Grundwasser: NO3− ist negativ geladen, haftet nicht am Boden und wird vom Regen ausgewaschen. NH4+ ist positiv und bleibt am Boden hängen.
- Lachgas N2O: entsteht, wenn die Denitrifikation nicht bis N2 durchläuft. Starkes Klimagas.
Merke
- Nitrifikation braucht Sauerstoff: lockerer, belüfteter Boden.
- Denitrifikation braucht drei Dinge: kein O2, Nitrat und Futter (organisches Material). Typisch: nasser, verdichteter Boden oder frisch untergepflügte Zwischenfrucht.
- Biogasanlage: Der Kohlenstoff geht als Gas raus, der Stickstoff bleibt im Gärrest. Gärrest hat daher ein niedriges C/N und viel NH4+.
- Haber-Bosch: Stickstoff aus der Luft, Wasserstoff aus Erdgas.

Kohlenstoff und Humus
Pflanzen holen CO2 aus der Luft. Was davon als Wurzeln, Stroh, Mist oder Gärrest in den Boden kommt, wird größtenteils wieder veratmet. Nur ein kleiner Teil wird zu Humus. Humus ist der größte Kohlenstoffspeicher auf dem Hof und hält zugleich viel Stickstoff fest.
Humus in Zahlen
- Böden speichern weltweit mehr Kohlenstoff als Luft und Pflanzen zusammen.
- Deutsche Agrarböden: 2,5 Mrd. t C bis 1 m Tiefe, 1,3 Mrd. t unter Acker, 1,2 Mrd. t unter Grünland.
- Tonreiche Böden speichern etwa doppelt so viel wie Sandböden.
- Jeder Umbruch von Grünland setzt über Jahre Humus-C als CO2 frei.
Humus aufbauen und erhalten
- Mehr Wurzeln und Pflanzenreste: Zwischenfrüchte, Untersaaten, Kleegras.
- Organisch düngen: Mist, Kompost, Gärrest, Stroh auf dem Feld lassen.
- Grünland erhalten, nicht umbrechen.
- Moorböden nass halten oder wiedervernässen, z. B. mit Paludikultur.
Merke
- Humus-C und N hängen zusammen: Bei C/N ≈ 10 bindet 1 t Humus-C rund 100 kg N. Humusaufbau legt also auch Stickstoff fest.
- Aufbau dauert Jahrzehnte, Abbau geht schnell. Der Boden strebt ein neues Gleichgewicht an und ist dann voll.
- Die Senke ist umkehrbar: Ändert sich die Bewirtschaftung, wird der Humus wieder abgebaut.
- Biogas: Der leicht abbaubare C wird zu Gas, der stabile bleibt im Gärrest.
Eine Milchkuh gibt etwa 250 bis 500 g Methan am Tag ab.
Das sind rund 2,5 bis 5 t CO₂e im Jahr.
Der Weg des Methans
Methan ist das wichtigste Klimagas der Landwirtschaft. Es entsteht überall dort, wo Mikroben organisches Material ohne Sauerstoff abbauen. Eine Milchkuh gibt etwa 250 bis 500 g Methan am Tag ab, das sind rund 2,5 bis 5 t CO2e im Jahr. An jeder Station gibt es Stellschrauben.
- 1
Pansen
Mikroben zerlegen Gras und Zellulose. Dabei entsteht Wasserstoff, aus dem andere Mikroben Methan bilden.
Hebel: Futterqualität, ausgewogene Ration, zugelassene Futterzusatzstoffe - 2
Stall
Das Methan wird fast vollständig über das Maul abgegeben, beim Rülpsen und Ausatmen.
Hebel: Tiergesundheit, Leistung und Nutzungsdauer: weniger Methan je kg Milch - 3
Güllelager
Auch in der Gülle bilden Mikroben ohne Luft Methan, umso mehr, je wärmer und länger sie lagert.
Hebel: kurze Lagerzeit, Abdeckung, Gülle zeitnah vergären - 4
Biogasanlage
Hier wird Methan gezielt erzeugt und im BHKW zu Strom und Wärme verbrannt. Dabei wird es zu CO2.
Hebel: gasdichtes Gärrestlager, wenig Methanschlupf
Moorböden: kleine Fläche, große Wirkung
Torf ist über Jahrtausende angesammelter, nasser Pflanzenrest. Solange er nass bleibt, ist der Kohlenstoff sicher gespeichert. Wird ein Moor entwässert, kommt Luft an den Torf, und er zersetzt sich zu CO2 und Lachgas.
Das ist mehr als das prozessbedingte CO2 der gesamten Industrie. Über 80 % davon stammen aus landwirtschaftlich genutzten Mooren. Wird der Wasserstand wieder angehoben, lassen sich im Mittel rund 20 t CO2e je Hektar und Jahr vermeiden. Auf nassen Flächen ist weiter Bewirtschaftung möglich, etwa mit Schilf, Rohrkolben oder Nasswiesen (Paludikultur).
Quellen: Umweltbundesamt 2026; Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (landwirtschaft.de).
Wussten Sie schon?
der Luft sind Stickstoff. Nutzen können ihn aber nur Leguminosen mit ihren Knöllchenbakterien, und die Düngerfabrik.
bindet 1 t Humus-Kohlenstoff, weil Humus ein C/N-Verhältnis von etwa 10 hat. Humusaufbau legt also auch Stickstoff fest.
entspricht der Kohlenstoff, den ein Hektar Acker im Mittel in den oberen 30 cm speichert (61 t C).
bleibt Methan in der Luft. Wer heute Methan einspart, bremst die Erwärmung deshalb besonders schnell.
Methan aus der Tierhaltung seit 1990, von 46,1 auf 32,1 Mio. t CO2e (Umweltbundesamt).
Mio. t CO2e: Die Landwirtschaft blieb 2025 unter ihrer Jahreshöchstmenge nach dem Klimaschutzgesetz.
Begriffe kurz erklärt
- CO2-Äquivalent (CO2e)
- Gemeinsame Einheit für alle Treibhausgase. Methan und Lachgas werden mit ihrem Treibhauspotenzial auf CO2 umgerechnet.
- Treibhauspotenzial (GWP)
- Wie stark 1 kg eines Gases über 100 Jahre wärmt, verglichen mit 1 kg CO2.
- Emissionsfaktor
- Wie viel Treibhausgas je Einheit entsteht, zum Beispiel je Liter Diesel, je kg Stickstoff oder je Kuh. Mit diesen Faktoren wird die Bilanz aus Ihren Betriebsdaten berechnet.
- Scope 1, 2, 3
- Einteilung nach Herkunft: eigener Betrieb, zugekaufte Energie, Vorkette. Ausführlich erklärt unter Klimabilanz verstehen.
- BEK
- Der Berechnungsstandard für einzelbetriebliche Klimabilanzen in der Landwirtschaft, herausgegeben vom KTBL. Er sorgt dafür, dass Bilanzen vergleichbar sind.
- TEKLa
- Das Rechenwerkzeug, mit dem wir Ihre Klimabilanz nach BEK erstellen.
- Fußabdruck
- Die Emissionen eines Produkts, zum Beispiel kg CO2e je kg Milch oder je Tonne Weizen.
- LULUCF
- Der Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft im Treibhausgasinventar. Dort werden Humus, Wald und Moorböden verbucht.
- Humus
- Die abgestorbene, umgewandelte organische Substanz im Boden. Humus besteht zu rund 58 % aus Kohlenstoff.
- C/N-Verhältnis
- Teile Kohlenstoff je Teil Stickstoff in einem Material. Es entscheidet, ob beim Abbau Stickstoff frei wird oder festgelegt wird (N-Sperre).
- Nitrifikation und Denitrifikation
- Umwandlungen im Boden durch Bakterien. Nitrifikation macht mit Sauerstoff aus Ammonium Nitrat. Denitrifikation macht ohne Sauerstoff aus Nitrat wieder Luftstickstoff, dabei kann Lachgas entstehen.
- Fermentation
- Die Verdauung im Pansen durch Mikroben. Dabei entsteht bei Wiederkäuern Methan.
- Paludikultur
- Landwirtschaft auf nassen oder wiedervernässten Moorböden, zum Beispiel mit Schilf oder Rohrkolben.
- Kohlenstoffsenke
- Ein Speicher, der mehr CO2 aufnimmt als abgibt, etwa ein Boden, der Humus aufbaut. Die Speicherung ist umkehrbar.
Downloads und Quellen
Alle Grafiken als PDF im Format A4 quer, zum Ausdrucken oder für Ihre Unterlagen.
Emissionen auf dem HofPDF, A4 quer
StickstoffkreislaufPDF, A4 quer
Kohlenstoff- und HumuskreislaufPDF, A4 quer
Quellen
- Umweltbundesamt: Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen, Stand 02.07.2026
- Umweltbundesamt: Emissionen der Landnutzung, -änderung und Forstwirtschaft, Stand 02.07.2026
- Thünen-Institut: Landwirtschaftlich genutzte Böden in Deutschland, Ergebnisse der Bodenzustandserhebung (Thünen Report 64), 2018
- Thünen-Institut: Bodenzustandserhebung Landwirtschaft
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Klimaschutz und Landwirtschaft: Chancen auf Moorböden
- Netzwerk Fokus Tierwohl: Methanemissionen verstehen und vermindern
- IPCC: AR6 WG I, Kapitel 7 (Treibhauspotenziale und Lebensdauern)
Stand: September 2026. Die Grafiken sind vereinfacht. Werte gerundet.
Grundlagen und Beispiele aus der Praxis
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