Maisfeld neben einem Weizenfeld, von oben
Wissen · Klimabilanz verstehen

Klimabilanz verstehen.

Warum kommt das Thema Klimabilanz gerade jetzt auf die Höfe? Wer hat welchen Nutzen davon? Und was bedeuten eigentlich Scope 1, 2 und 3? Hier erklären wir die Hintergründe in Ruhe und ohne Fachchinesisch.

Fleckvieh am Futtertisch
Frage 1

Warum überhaupt eine Klimabilanz?

Die Landwirtschaft steht beim Thema Treibhausgase besonders im Blickpunkt, weil die meisten Emissionen auf dem Hof aus natürlichen, biologischen Prozessen stammen: aus der Verdauung der Tiere, aus dem Boden und aus der Düngung. Diesel und Gas spielen eine kleinere Rolle als in einer Fabrik.

8,2 %
Anteil der Landwirtschaft an Deutschlands Treibhausgasen (2025)
>90 %
davon als Methan und Lachgas, nicht als CO₂ aus Verbrennung
53,3 Mio. t
CO₂-Äquivalente aus der Landwirtschaft (2025)

Quelle: Umweltbundesamt, erste Schätzung für 2025 (Stand 02.07.2026). Mehr Zahlen und Grafiken unter Fakten & Kreisläufe.

Weil diese Emissionen aus biochemischen Prozessen stammen, lassen sie sich nicht einfach an einer Tankuhr ablesen. Sie sind nur bedingt mess- und steuerbar. Genau deshalb braucht es eine systematische Bilanz auf Ebene des einzelnen Betriebs. Eine Klimabilanz erfasst, wo die Emissionen Ihres Hofes tatsächlich entstehen, und macht sie in einer einheitlichen Einheit vergleichbar: in CO₂-Äquivalenten (CO₂e). Dabei werden Methan und Lachgas auf ihre Klimawirkung umgerechnet, sodass am Ende eine einzige, vergleichbare Zahl steht.

Eine Klimabilanz ist die Landkarte Ihrer betrieblichen Emissionen. Erst wer sie kennt, kann gezielt dort ansetzen, wo es sich fürs Klima und fürs Betriebsergebnis lohnt.

Frage 2

Was hat der Staat und die Gesellschaft davon?

Deutschland und die EU haben sich verbindliche Klimaziele gesetzt. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Baustein, um diese zu erreichen, aber nur, wenn man weiß, wo die Emissionen herkommen und wie sie sich entwickeln. Hier kommt die Klimabilanz ins Spiel: Sie liefert die Daten, auf denen Klimapolitik überhaupt erst aufbauen kann.

Der Hebel für die Politik

Ein pauschaler Branchendurchschnitt sagt wenig darüber aus, wie ein konkreter Betrieb wirtschaftet. Erst einzelbetriebliche Bilanzen zeigen, welche Maßnahmen real etwas bringen, von effizienterer Düngung über Biogas bis zu erneuerbaren Energien. Statt mit Verboten zu arbeiten, setzen Staat und Förderbanken deshalb auf Anreize: Wer seine Emissionen erfasst und reduziert, wird finanziell belohnt.

Warum über die Banken?

Die Finanzaufsicht verpflichtet Banken zunehmend, Klimarisiken ihrer Kunden zu bewerten (Stichworte: MaRisk und EBA-Leitlinien). Dadurch wird Nachhaltigkeit Teil der Kreditentscheidung. Der Staat nutzt diesen Hebel: Über Förderprogramme der Landwirtschaftlichen Rentenbank wird die Erstellung von Klimabilanzen bezuschusst und mit einem Zinsbonus belohnt. So wandert das Thema vom politischen Ziel bis auf den einzelnen Hof, auf freiwilliger, wirtschaftlich attraktiver Basis.

Frage 3

Was habe ich als Landwirt davon?

Die Klimabilanz bringt Ihnen handfeste Vorteile. Die wichtigsten sind diese vier.

Frage 4

Was sind Scope 1, 2 und 3?

„Scope“ heißt übersetzt schlicht „Bereich“. Das international anerkannte Greenhouse Gas Protocol teilt alle Emissionen eines Betriebs in drei solche Bereiche ein, je nachdem, wie direkt der Betrieb sie beeinflussen kann. Diese Einteilung sorgt dafür, dass Bilanzen vergleichbar und vollständig sind.

Güllefass mit Schleppschlauch auf dem Acker
Scope 1

Direkte Emissionen aus dem eigenen Betrieb

Alles, was direkt auf Ihrem Hof entsteht und das Sie am stärksten selbst beeinflussen können. Dazu zählen die Verdauung der Tiere (Methan), das Wirtschaftsdüngermanagement, Lachgas aus der Düngung der Böden sowie der Diesel Ihrer eigenen Maschinen. Hier liegen die größten eigenen Stellschrauben.

Photovoltaik auf dem Scheunendach
Scope 2

Indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie

Emissionen, die beim Erzeuger der von Ihnen zugekauften Energie entstehen. Gemeint sind der Strom aus dem Netz und zugekaufte Wärme. Wer Ökostrom bezieht oder selbst erneuerbare Energie erzeugt, steht hier deutlich besser da.

Getreidefelder von oben
Scope 3

Weitere indirekte Emissionen in der Lieferkette

Emissionen, die vor- oder nachgelagert entstehen. Am wichtigsten sind hier die zugekauften Futtermittel und deren Anbau (besonders bei langen Transportwegen oder Anbau auf gerodeten Flächen). Diesen Bereich können Sie am wenigsten direkt steuern, er ist aber für ein vollständiges Bild wichtig.

Eine vollständige einzelbetriebliche Klimabilanz nach dem Berechnungsstandard BEK weist alle drei Scopes aus. So entsteht ein ehrliches Gesamtbild, und genau das ist es, was Banken und Abnehmer anerkennen. Wie sich die Scopes auf einem Hof verteilen, zeigt unsere Grafik Emissionen auf dem Hof.

Frage 5

Wie wird gemessen, was fällt worunter?

Die Emissionen werden berechnet, einen Sensor im Stall gibt es dafür nicht. Aus Ihren Betriebsdaten (Tierzahlen, Futtermengen, Düngung, Verbräuche, Erträge) werden mit anerkannten Emissionsfaktoren die Treibhausgase hochgerechnet und in CO₂-Äquivalente umgerechnet. Wir nutzen dafür den fachlich anerkannten Klimarechner TEKLa nach den Vorgaben des Berechnungsstandards BEK.

Die folgende Übersicht zeigt, welche typischen Quellen zu welchem Scope gehören:

EmissionsquelleScopeWas dahintersteckt
Verdauung der Tiere (Wiederkäuer)Scope 1Methan aus der Pansenverdauung von Rindern
WirtschaftsdüngermanagementScope 1Methan & Lachgas aus Lagerung von Gülle und Mist
Düngung der BödenScope 1Lachgas aus Stickstoff im Boden
Eigene Maschinen & TrocknungScope 1CO₂ aus Diesel und Kraftstoffen im Betrieb
Zugekaufter StromScope 2Emissionen beim Stromerzeuger (je nach Strommix)
Zugekaufte WärmeScope 2Emissionen aus extern erzeugter Wärme
Zugekaufte FuttermittelScope 3Emissionen aus Anbau und Transport des Futters
Landnutzung & BödenScope 1/3z. B. Moorböden, Humusauf- und -abbau
Welche Daten Sie konkret zusammensuchen müssen, sagen wir Ihnen mit einer klaren Checkliste. In der Praxis kostet Sie das nur rund 3 bis 4 Stunden. Den Rest übernehmen wir.

Wichtig zu wissen: Es gibt verschiedene anerkannte Berechnungswege, die sich in Detailtiefe unterscheiden. Für die Rentenbank-Förderung ist entscheidend, dass nach einem anerkannten Standard (BEK bzw. GHG Protocol / Agriculture Guidance) gerechnet wird, und genau das stellen wir sicher.

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