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Klimabilanz verstehen.

Warum kommt das Thema Klimabilanz gerade jetzt auf die Höfe? Wer hat welchen Nutzen davon? Und was bedeuten eigentlich Scope 1, 2 und 3? Hier erklären wir die Hintergründe in Ruhe und ohne Fachchinesisch.

Auf dieser Seite

  1. Warum überhaupt eine Klimabilanz?
  2. Was hat der Staat und die Gesellschaft davon?
  3. Was habe ich als Landwirt davon?
  4. Was sind Scope 1, 2 und 3?
  5. Wie wird gemessen?
  6. Drei Beispiele: Ackerbau, Milchvieh, Biogas

1. Warum überhaupt eine Klimabilanz?

Die Landwirtschaft steht beim Thema Treibhausgase besonders im Blickpunkt, aus einem einfachen Grund: Anders als in einer Fabrik entstehen die Emissionen hier nicht hauptsächlich aus dem Verbrennen von Diesel oder Gas, sondern aus natürlichen, biologischen Prozessen. Aus der Verdauung der Tiere, aus dem Boden, aus der Düngung.

~7,4 %
Anteil der Landwirtschaft an Deutschlands Treibhausgasen (2022)
>90 %
davon als Methan und Lachgas, nicht als CO₂ aus Verbrennung
55,5 Mio. t
CO₂-Äquivalente aus der Landwirtschaft (2022)

Weil diese Emissionen aus biochemischen Prozessen stammen, lassen sie sich nicht einfach an einer Tankuhr ablesen. Sie sind nur bedingt mess- und steuerbar. Genau deshalb braucht es eine systematische Bilanz auf Ebene des einzelnen Betriebs. Eine Klimabilanz erfasst, wo die Emissionen Ihres Hofes tatsächlich entstehen, und macht sie in einer einheitlichen Einheit vergleichbar: in CO₂-Äquivalenten (CO₂e). Dabei werden Methan und Lachgas auf ihre Klimawirkung umgerechnet, sodass am Ende eine einzige, vergleichbare Zahl steht.

Kurz: Eine Klimabilanz ist die Landkarte Ihrer betrieblichen Emissionen. Erst wer sie kennt, kann gezielt dort ansetzen, wo es sich wirklich lohnt: fürs Klima und fürs Betriebsergebnis.

2. Was hat der Staat und die Gesellschaft davon?

Deutschland und die EU haben sich verbindliche Klimaziele gesetzt. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Baustein, um diese zu erreichen, aber nur, wenn man weiß, wo die Emissionen herkommen und wie sie sich entwickeln. Hier kommt die Klimabilanz ins Spiel: Sie liefert die Daten, auf denen Klimapolitik überhaupt erst aufbauen kann.

Der Hebel für die Politik

Ein pauschaler Branchendurchschnitt sagt wenig darüber aus, wie ein konkreter Betrieb wirtschaftet. Erst einzelbetriebliche Bilanzen zeigen, welche Maßnahmen real etwas bringen, von effizienterer Düngung über Biogas bis zu erneuerbaren Energien. Statt mit Verboten zu arbeiten, setzen Staat und Förderbanken deshalb auf Anreize: Wer seine Emissionen erfasst und reduziert, wird finanziell belohnt.

Warum über die Banken?

Die Finanzaufsicht verpflichtet Banken zunehmend, Klimarisiken ihrer Kunden zu bewerten (Stichworte: MaRisk und EBA-Leitlinien). Dadurch wird Nachhaltigkeit Teil der Kreditentscheidung. Der Staat nutzt diesen Hebel: Über Förderprogramme der Landwirtschaftlichen Rentenbank wird die Erstellung von Klimabilanzen bezuschusst und mit einem Zinsbonus belohnt. So wandert das Thema vom politischen Ziel bis auf den einzelnen Hof, auf freiwilliger, wirtschaftlich attraktiver Basis.

3. Was habe ich als Landwirt davon?

Die Klimabilanz ist keine bürokratische Pflichtübung, sondern bringt Ihnen handfeste Vorteile. Die wichtigsten:

Bares Geld über die Förderung

Die Rentenbank übernimmt 90 % der Beratungskosten (max. 1.000 €) für die Erstellung. Ihr Eigenanteil ist minimal. Zusätzlich gibt es bei Rentenbank-Programmkrediten einen Zinsbonus, wenn Sie eine gültige Klimabilanz vorlegen.

Bessere Ausgangslage bei der Bank

Ohne eigene Zahlen stuft die Bank Ihren Betrieb automatisch wie den Branchendurchschnitt ein, und der fällt für die Landwirtschaft meist ungünstig aus. Mit einer Klimabilanz legen Sie Ihre tatsächlichen Werte vor und können sich vom Durchschnitt nach oben absetzen. Das ist die beste Grundlage für Ihr nächstes Finanzierungsgespräch.

Anforderungen von Molkerei & Abnehmern erfüllen

Immer mehr Molkereien, Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe verlangen Klimadaten oder honorieren sie über Bonusprogramme. Ihre Klimabilanz liefert genau die Datengrundlage, die diese Programme fordern.

Den eigenen Betrieb besser kennen

Die Bilanz deckt auf, wo Sie Energie, Dünger oder Futter effizienter einsetzen können. Das senkt nicht nur Emissionen, sondern oft auch Kosten. Sie erhalten von uns einen Maßnahmenkatalog, der nur Schritte enthält, die sich auf Ihrem Betrieb rechnen, ganz ohne Ertragsverlust.

4. Was sind Scope 1, 2 und 3?

„Scope“ heißt übersetzt schlicht „Bereich“. Das international anerkannte Greenhouse Gas Protocol teilt alle Emissionen eines Betriebs in drei solche Bereiche ein, je nachdem, wie direkt der Betrieb sie beeinflussen kann. Diese Einteilung sorgt dafür, dass Bilanzen vergleichbar und vollständig sind.

Scope 1

Direkte Emissionen aus dem eigenen Betrieb

Alles, was direkt auf Ihrem Hof entsteht und das Sie am stärksten selbst beeinflussen können. Dazu zählen die Verdauung der Tiere (Methan), das Wirtschaftsdüngermanagement, Lachgas aus der Düngung der Böden sowie der Diesel Ihrer eigenen Maschinen. Hier liegen die größten eigenen Stellschrauben.

Scope 2

Indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie

Emissionen, die nicht bei Ihnen, sondern beim Erzeuger der von Ihnen zugekauften Energie entstehen, also der Strom aus dem Netz und zugekaufte Wärme. Wer Ökostrom bezieht oder selbst erneuerbare Energie erzeugt, steht hier deutlich besser da.

Scope 3

Weitere indirekte Emissionen in der Lieferkette

Emissionen, die vor- oder nachgelagert entstehen. Am wichtigsten sind hier die zugekauften Futtermittel und deren Anbau (besonders bei langen Transportwegen oder Anbau auf gerodeten Flächen). Diesen Bereich können Sie am wenigsten direkt steuern, er ist aber für ein vollständiges Bild wichtig.

Eine vollständige einzelbetriebliche Klimabilanz nach dem Berechnungsstandard BEK weist alle drei Scopes aus. So entsteht ein ehrliches Gesamtbild, und genau das ist es, was Banken und Abnehmer anerkennen.

5. Wie wird gemessen, was fällt worunter?

Gemessen wird nicht mit einem Sensor am Stall, sondern berechnet: Aus Ihren Betriebsdaten (Tierzahlen, Futtermengen, Düngung, Verbräuche, Erträge) werden mit anerkannten Emissionsfaktoren die Treibhausgase hochgerechnet und in CO₂-Äquivalente umgerechnet. Wir nutzen dafür den fachlich anerkannten Klimarechner TEKLa nach den Vorgaben des Berechnungsstandards BEK.

Die folgende Übersicht zeigt, welche typischen Quellen zu welchem Scope gehören:

EmissionsquelleScopeWas dahintersteckt
Verdauung der Tiere (Wiederkäuer)Scope 1Methan aus der Pansenverdauung von Rindern
WirtschaftsdüngermanagementScope 1Methan & Lachgas aus Lagerung von Gülle und Mist
Düngung der BödenScope 1Lachgas aus Stickstoff im Boden
Eigene Maschinen & TrocknungScope 1CO₂ aus Diesel und Kraftstoffen im Betrieb
Zugekaufter StromScope 2Emissionen beim Stromerzeuger (je nach Strommix)
Zugekaufte WärmeScope 2Emissionen aus extern erzeugter Wärme
Zugekaufte FuttermittelScope 3Emissionen aus Anbau und Transport des Futters
Landnutzung & BödenScope 1/3z. B. Moorböden, Humusauf- und -abbau
Welche Daten Sie konkret zusammensuchen müssen, sagen wir Ihnen mit einer klaren Checkliste. In der Praxis kostet Sie das nur rund 3 bis 4 Stunden. Den Rest übernehmen wir.

Wichtig zu wissen: Es gibt verschiedene anerkannte Berechnungswege, die sich in Detailtiefe unterscheiden. Für die Rentenbank-Förderung ist entscheidend, dass nach einem anerkannten Standard (BEK bzw. GHG Protocol / Agriculture Guidance) gerechnet wird, und genau das stellen wir sicher.

6. Drei Beispiele aus der Praxis

Wo die Emissionen liegen, hängt stark von der Ausrichtung Ihres Betriebs ab. Drei typische Profile zeigen, was bei Ackerbau, Milchvieh und Biogas in welchen Scope fällt. Das sind Muster, keine festen Werte: Ihre tatsächlichen Zahlen ergeben sich erst aus Ihrer Bilanz.

Ackerbaubetrieb

ScopeTypische Quellen auf einem Ackerbaubetrieb
Scope 1Lachgas aus der Stickstoffdüngung der Böden (meist der größte Posten); Diesel für Bodenbearbeitung, Aussaat und Ernte; Brennstoff für die Getreidetrocknung; CO₂ aus Kalkung und – auf organischen Böden – aus dem Humusabbau
Scope 2Zugekaufter Strom für Lagerung, Belüftung, Bewässerung und Kornaufbereitung
Scope 3Herstellung der zugekauften Mineraldünger (sehr energieintensiv), Pflanzenschutzmittel und Saatgut sowie die Vorkette des Kraftstoffs

Milchviehbetrieb

ScopeTypische Quellen auf einem Milchviehbetrieb
Scope 1Methan aus der Pansenverdauung der Kühe (der größte Einzelposten); Methan und Lachgas aus der Lagerung von Gülle und Mist; Lachgas aus der Düngung der Futterflächen; Diesel der eigenen Maschinen
Scope 2Strom für Melkstand, Milchkühlung, Lüftung und Beleuchtung; zugekaufte Wärme
Scope 3Anbau und Transport des zugekauften Kraft- und Mineralfutters (vor allem Soja mit langen Transportwegen); Herstellung des Düngers für die Futterflächen

Biogasanlage

ScopeTypische Quellen rund um eine Biogasanlage
Scope 1Methanschlupf aus BHKW, Fermenter und Gärrestlager; Methan und Lachgas aus Lagerung und Ausbringung der Gärreste; Diesel für die Substratlogistik; bei eigenem Energiepflanzenanbau zusätzlich Lachgas aus der Düngung
Scope 2Zugekaufter Strom für den Eigenbedarf der Anlage (Rührwerke, Pumpen, Steuerung)
Scope 3Anbau und Transport zugekaufter Substrate (z. B. Maissilage) einschließlich Dünger und Diesel
Die Biogasanlage hat auch eine Habenseite: Wer Gülle vergärt, vermeidet das Methan, das bei offener Lagerung entstanden wäre, und ersetzt mit dem erzeugten Strom und der Wärme fossile Energie. Diese Gutschriften rechnen wir gegen die Emissionen auf, sie verbessern die Gesamtbilanz vieler Betriebe spürbar.

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