Weizenfeld mit Fahrspuren, dahinter Windräder und eine Biogasanlage
Wissen · Klimaschutz auf dem Hof

Wo Ihr Betrieb Treibhausgase spart.

Welcher Arbeitsschritt wie viel CO2 verursacht, zeigen wir hier an zwei Rechenbeispielen: einem Hektar Weizen und einem Milchviehbetrieb. Gerechnet ist alles mit denselben Faktoren wie Ihre Klimabilanz, nach dem Berechnungsstandard BEK. Am Ende stehen die wichtigsten Hebel im Vergleich.

  • 1,7 tCO₂e je Hektar Weizen
  • 846 gCO₂e je kg Milch
  • BEKgleiche Faktoren wie Ihre Bilanz
Überblick

Die Stellschrauben im Überblick

Im Ackerbau hängen rund zwei Drittel der Treibhausgase am Stickstoffdünger, nur etwa 15 % am Diesel. Im Ackerfutterbau entfallen sogar rund 81 % auf die N-Düngung (KTBL-Heft 119). In der Tierhaltung ist das Methan aus dem Pansen der größte Posten. Daraus ergeben sich vier Bereiche, in denen ein Betrieb ansetzen kann.

Stickstoff und Dünger

Jedes Kilogramm Stickstoff, das nicht gebraucht wird, spart Herstellung und Lachgas.

  • bedarfsgerecht düngen, nach Entwicklungsstand und Wetter
  • Streuer prüfen, teilflächenspezifisch düngen
  • Leguminosen in der Fruchtfolge

Wirtschaftsdünger

Gülle und Mist sind wertvoller Dünger und zugleich eine Quelle für Methan, Ammoniak und Lachgas.

  • gasdicht lagern oder in die Biogasanlage
  • Nährstoffgehalte kennen, z. B. mit NIRS
  • bodennah ausbringen, schnell einarbeiten

Boden und Bearbeitung

Ein lockerer, belebter Boden gibt weniger Lachgas ab und speichert mehr Humus.

  • Verdichtung und Staunässe vermeiden
  • Boden möglichst ganzjährig bedecken, Zwischenfrüchte
  • regelmäßig kalken und Boden untersuchen

Energie und Technik

Der kleinere Posten im Ackerbau, aber oft schnell und günstig umzusetzen.

  • Arbeitsgänge sparen oder kombinieren
  • Reifendruck und Arbeitstiefe anpassen
  • Strom aus eigener PV oder Ökostrom

Nach: L. Fröhlich, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, BZL-Webseminar 22.06.2026; KTBL-Heft 119 (2017).

Mähdrescher bei der Weizenernte
Rechenbeispiel Ackerbau

Ein Hektar Weizen, Schritt für Schritt

So verteilen sich die Emissionen auf die Arbeitsschritte, gerechnet mit den BEK-Faktoren für einen Hektar Winterweizen mit 8 t Ertrag und 180 kg Stickstoff aus KAS. Fahren Sie mit der Maus über die Balken, um die einzelnen Anteile zu sehen.

1,7 t
CO2e je Hektar
216 kg
CO2e je Tonne Weizen
63 %
aus dem Stickstoffdünger, Herstellung und Lachgas
aus Boden und FeldHerstellung von Dünger, Kalk, Saatgut, PflanzenschutzDiesel und Maschinen
Düngung1.112
Kalkung219
Bodenbearbeitung und Saat195
Pflanzenschutz und Transport112
Ernte68
Maschinen25

In der EU sind Werke mit Lachgas-Katalysator heute Standard, denn Lachgas aus der Salpetersäure-Herstellung ist seit 2013 Teil des EU-Emissionshandels. Werke ohne diese Technik stehen vor allem außerhalb der EU. Klimaneutral ist aber auch der Dünger aus dem modernen Werk nicht: Für das Ammoniak wird weiterhin Erdgas gebraucht. Fragen Sie beim Kauf nach Herkunft und CO2-Fußabdruck.

1 kg N ≈ 1 l Diesel

Merkzahl: Die Herstellung von 1 kg Stickstoff im modernen Werk verursacht 3,52 kg CO2e, ein Liter Diesel 3,42 kg. Wer 20 kg N je Hektar einspart, spart so viel wie 20 Liter Diesel, und dazu noch das Lachgas.

Annahmen und Einzelwerte anzeigen

Winterweizen, 8 t/ha, Pflugverfahren mit 86 l Diesel je Hektar (Moitzi 2005), 180 kg N als KAS, 200 kg CaO Kalk je Jahr, 150 kg Saatgut, 6 kg Pflanzenschutzmittel. Nicht enthalten sind Grunddüngung, Humusabbau und die Gutschrift für Stroh, weil sie stark vom Standort und vom Rechenweg abhängen. In Ihrer Klimabilanz rechnen wir sie mit.

ArbeitsschrittPostenkg CO₂e/ha
DüngungHerstellung des Mineraldüngers634
DüngungLachgas aus dem Boden464
DüngungDiesel zum Streuen14
KalkungCO₂ aus dem Kalk auf dem Feld157
KalkungHerstellung des Kalks62
Bodenbearbeitung und SaatDiesel für Pflug, Saatbett, Drillen154
Bodenbearbeitung und SaatSaatgut40
Pflanzenschutz und TransportPflanzenschutzmittel54
Pflanzenschutz und TransportDiesel für Überfahrten und Transport58
ErnteDiesel Mähdrusch68
MaschinenHerstellung der Maschinen25
Summe1.732
Zwei Traktoren bei der Feldarbeit, von oben
Richtwerte je Hektar

Wie viel Diesel braucht welcher Arbeitsgang?

Richtwerte je Hektar, umgerechnet mit 3,42 kg CO2e je Liter nach BEK. Wie viel es tatsächlich ist, hängt von Boden, Arbeitstiefe, Schlaggröße und Technik ab. Im Schnitt verbraucht die Landwirtschaft rund 100 l Diesel je Hektar (KTBL), Marktfruchtbetriebe 75 bis 160 l (LLH).

ArbeitsgangLiter Diesel je hakg CO₂e je haQuelle
Stoppelbearbeitung, flach6–1221–41DLG-Merkblatt 339
Pflügen (20–30 cm)15–40 (Ø 23)51–137ÖKL-Richtwert, DLG-Merkblatt 339
Tiefgrubbern10–2034–68DLG-Merkblatt 339
Saatbettbereitung6–1021–34DLG-Merkblatt 339
Düngerstreuen, alle Gaben zusammen≈ 4≈ 14Verband der Landwirtschaftskammern
Mähdrusch Getreide15–30 (Ø 20)51–103KTBL-Daten, je nach Maschinenklasse
Grünland je Schnitt: Mähen, Zetten, Schwaden, Laden≈ 21≈ 72Moitzi 2005

Bestellung im Vergleich

Pflug, Saatbett, Saat45 l · 154 kg CO₂e
Grubber und Saat37 l · 127 kg CO₂e
Frässaat15 l · 51 kg CO₂e
Direktsaat9 l · 31 kg CO₂e

Getreidebau insgesamt: 86 l Diesel je Hektar mit Pflug, 52 l mit Direktsaat (Moitzi 2005, Messungen in Österreich).

So sparen Sie Diesel

Milchkühe liegen in einem offenen Liegeboxenstall
Ein Milchviehbetrieb mit 199 Kühen kommt auf 846 g CO₂e je Kilogramm Milch.

Beispielbetrieb aus unserem Klimarechner TEKLa, gerechnet nach BEK

Rechenbeispiel Milchvieh

Beispiel Milchviehbetrieb

Ein Beispielbetrieb aus unserem Klimarechner TEKLa: 199 Kühe mit 10.320 kg Milch (ECM) je Kuh, eigene Nachzucht mit 92 Färsen, ganzjährige Stallhaltung, 149 ha Grünland, 14 ha Silomais und 5 ha Kartoffeln. Die Hälfte des Stroms kommt schon aus Ökostrom oder eigener PV.

846 g
CO2e je kg Milch (ECM)
2.445 t
CO2e im Jahr, ganzer Betrieb mit Futterbau
73 %
davon Scope 1, 1 % Scope 2 und 26 % Scope 3

Woraus sich der Fußabdruck je Kilogramm Milch zusammensetzt

aus Tier und WirtschaftsdüngerFutter und NachzuchtEnergieGutschriften
Verdauung (Methan aus dem Pansen)409
Güllelager und Stall (Methan, Lachgas)186
Kraftfutter (Anbau, Verarbeitung)199
Nachzucht der Färsen199
Grundfutter (eigener Anbau)129
Strom und Diesel22
Gutschriften: Kälber, Schlachtkühe, Gülle als Dünger−298
CO₂-Fußabdruck= 846 g CO₂e je kg Milch

Werte in g CO2e je kg ECM. Nach BEK werden Kälber, Schlachtkühe und der Düngewert der Gülle gutgeschrieben, weil sie als Nebenprodukte den Hof verlassen oder Mineraldünger ersetzen.

Was bringen die Hebel? Mit TEKLa nachgerechnet

Wir haben einzelne Werte im Beispielbetrieb verändert und die Bilanz neu gerechnet. Angegeben ist die Änderung des Fußabdrucks je kg Milch und die Einsparung für den ganzen Betrieb.

80 % der Gülle direkt in die Biogasanlage−14,7 % · 722 g · −256 t/Jahr
Weidegang, 1.500 Stunden je Kuh und Jahr−3,4 % · 818 g · −58 t/Jahr
Strom zu 100 % aus Ökostrom oder eigener PV−1,0 % · 838 g · −17 t/Jahr
Kühe 6 Monate länger nutzen−0,5 % · 842 g · −9 t/Jahr

Die drei Maßnahmen Biogas, Ökostrom und längere Nutzung zusammen senken den Fußabdruck um 16 % auf 709 g je kg Milch. Das sind rund 282 t CO2e im Jahr. Den größten Anteil hat die Gülle: In der Biogasanlage wird das Methan aufgefangen, statt aus dem offenen Lager zu entweichen. Die längere Nutzung der Kühe wirkt hier wenig, weil sich zwei Posten fast ausgleichen: Es werden weniger Färsen gebraucht, es gibt aber auch weniger Schlachtkühe, die gutgeschrieben werden.

Vergleich

Die Hebel im Vergleich

Einsparung in kg CO2e je Hektar und Jahr im Ackerbau, gerechnet mit den BEK-Faktoren. Den Aufwand haben wir aus unserer Beratungserfahrung eingeschätzt. Was sich auf Ihrem Betrieb rechnet, klären wir im Maßnahmenkatalog Ihrer Klimabilanz.

MaßnahmeEinsparung kg CO₂e/haAufwandNebeneffekt
Mineraldünger aus Werk mit Lachgas-Katalysator180 kg N/ha; BEK: 3,52 statt 7,83 kg CO₂e je kg N 775 geringbeim Händler nach Herkunft und CO₂-Fußabdruck fragen
20 kg N/ha weniger düngen, bei gleichem ErtragHerstellung und Lachgas je kg N 122 geringspart rund 25 € Dünger je Hektar
Direktsaat statt Pflug34 l Diesel weniger (Moitzi 2005) 116 hochspart Diesel und Arbeitszeit
Mulchsaat statt Pflug20–30 l Diesel weniger = 68–103 kg CO₂e 86 mittelspart Diesel und Arbeitszeit
Gülle sofort einarbeiten statt nach 1–4 Stunden80 kg NH₄-N; Ammoniakverlust 10 % statt 26 % (BEK) 75 mittelrund 13 kg N je Hektar bleiben im Boden
Reifendruck an Feld und Straße anpassenbei 100 l Diesel je Hektar und Jahr 34 geringspart rund 10 % Diesel
Pflugtiefe 10 cm flacherFaustzahl 0,8 l je cm und Hektar 27 geringspart Diesel

Die großen Einzelposten

4,3 t
Netzstrom durch Ökostrom oder eigene PV ersetzen

je 10.000 kWh im Jahr (BEK: 0,498 statt 0,069 kg CO₂e je kWh)

5,2 t
Grünland erhalten statt umbrechen

je Hektar und Jahr; BEK rechnet nach Umbruch mit 1.410 kg Humus-C Abbau

40 t
Acker auf Moorboden

je Hektar und Jahr setzt der BEK für entwässerten Moorboden unter Acker an. Wiedervernässung spart im Mittel rund 20 t (BZL).

Alles auf einem Blatt: PDF zum Ausdrucken (A4)

Güllefass mit angebauter Scheibenegge arbeitet die Gülle direkt ein
Rechtlicher Rahmen

Was die Düngeverordnung schon vorschreibt

Einige Maßnahmen gegen Ammoniak und Lachgas sind längst Pflicht (§ 6 DüV). Sie zählen trotzdem in der Klimabilanz, denn jedes Kilogramm Stickstoff, das im Boden bleibt, verbessert das Ergebnis.

Harnstoff: seit 1. Februar 2020 nur mit Ureasehemmstoff oder mit Einarbeitung spätestens 4 Stunden nach dem Ausbringen.
Gülle und Gärrest auf bestelltem Acker: seit 1. Februar 2020 streifenförmig ausbringen oder direkt einarbeiten, auf Grünland und im mehrschnittigen Feldfutterbau seit 1. Februar 2025.
Unbestellter Acker: organische Dünger seit 1. Februar 2025 innerhalb einer Stunde einarbeiten, vorher vier Stunden.

Ausnahmen sind möglich, etwa für Festmist oder nach Genehmigung der zuständigen Behörde.

Einordnung

Was eine Klimabilanz kann und was nicht

Das kann sie

  • zeigen, wo auf Ihrem Hof Treibhausgase entstehen und wie viel
  • Einsparmöglichkeiten sichtbar machen
  • Ihren Betrieb mit ähnlichen Betrieben vergleichen
  • Nachweis sein für Bank, Molkerei, Abnehmer und Förderung

Das kann sie nicht

  • allein das Klima schützen, das tun erst die Maßnahmen
  • genauer sein als die Daten, die hineingehen
  • Beratung ersetzen: Maßnahmen müssen zum Betrieb passen
  • die ganze Nachhaltigkeit abbilden, also auch Boden, Wasser, Artenvielfalt, Wirtschaftlichkeit und Arbeit

Nach: L. Fröhlich, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, BZL-Webseminar 22.06.2026.

BEK-Parameterdatei 2024

Unsere Rechenwerte

Alle Zahlen auf dieser Seite und auf Fakten & Kreisläufe sind mit denselben Faktoren gerechnet wie Ihre Klimabilanz: der Parameterdatei 2024 zum Berechnungsstandard BEK des KTBL, wie sie in unserem Klimarechner TEKLa hinterlegt ist.

GrößeWertEinheit
Diesel, Verbrennung2,707kg CO₂e je Liter
Diesel, Herstellung0,716kg CO₂e je Liter
Diesel gesamt3,42kg CO₂e je Liter
Herstellung der Maschinen0,29kg CO₂e je Liter Diesel
Strommix Deutschland0,498kg CO₂e je kWh
Ökostrom0,069kg CO₂e je kWh
Ammoniumnitrat/KAS, Werk mit Lachgas-Katalysator3,523kg CO₂e je kg N
Ammoniumnitrat/KAS, Werk ohne Katalysator7,83kg CO₂e je kg N
Harnstoff, Herstellung2,424kg CO₂e je kg N
Harnstoff, CO₂ auf dem Feld1,57kg CO₂ je kg N
Lachgas aus N-Düngung, direkt und indirekt0,62 %des Stickstoffs als N₂O-N
Lachgas aus Ammoniakverlusten1,4 %des Ammoniak-N als N₂O-N
Kalk, CO₂ auf dem Feld0,786kg CO₂e je kg CaO
Kalk, Herstellung0,311kg CO₂e je kg CaO
Pflanzenschutzmittel9,017kg CO₂e je kg oder l
Saatgut Weizen0,27kg CO₂e je kg
Treibhauspotenzial Methan / Lachgas28 / 265kg CO₂e je kg Gas
Kohlenstoff in CO₂3,67kg CO₂ je kg C

Zum Strom: Das Umweltbundesamt nennt für 2025 geschätzt 344 g CO2 je kWh. Dieser Wert zählt nur das CO2 im Kraftwerk. Der BEK-Wert von 0,498 kg enthält zusätzlich die Vorkette und die übrigen Treibhausgase.

Nachweise

Quellen

  1. KTBL: Berechnungsstandard für einzelbetriebliche Klimabilanzen (BEK), Parameterdatei 2024 (November); hinterlegt in TEKLa 2.0
  2. Fröhlich, L., Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen: Klimabilanzierung in der Landwirtschaft: Pflanzenbau im Fokus. BZL-Webseminar, 22.06.2026
  3. KTBL-Heft 119: Klimaschutz in der Landwirtschaft – Emissionsminderung in der Praxis, 2017
  4. Düngeverordnung § 6 (Wortlaut)
  5. DLG-Merkblatt 339: Dieseleinsparung in der Pflanzenproduktion
  6. Moitzi, G., BOKU Wien: Energieeinsatz in der Pflanzenproduktion, ÖKL-Kolloquium 2005
  7. KTBL: Dieselbedarfsrechner
  8. Landwirtschaftliches Wochenblatt, M. Schneider (LLH Eichhof): Treibstoffkosten im Ackerbau
  9. agrarheute, Verband der Landwirtschaftskammern: Ratgeber Energie: So sparen Sie beim Dieselverbrauch
  10. Hofwerk: Pflügen, Kosten und Dieselverbrauch und Dieselverbrauch Mähdrescher (ÖKL- und KTBL-Richtwerte)
  11. Umweltbundesamt: CO₂-Emissionen pro Kilowattstunde Strom 2025, 23.03.2026
  12. Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Klimaschutz und Landwirtschaft: Chancen auf Moorböden
  13. Wikipedia: EU-Emissionshandel (Lachgas seit der dritten Handelsperiode 2013)

Stand: September 2026. Rechenbeispiele vereinfacht, Werte gerundet.

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